Äusserste Blässe

Eine unqualifizierte Blödelei  der Ratinger Lokalredaktion der RP zum Ergebnis der Bundestagswahl veranlasste mich zu diesem persönlichen Schreiben:

Werter Herr Kleeberg,

   mit einem gewissen Schmunzeln nahm ich Ihre gestrige Zuschreibung in der RP zur Kenntnis: „Bernd Ulrich, der im Wahlkampf äußerst blass blieb… “ Ich werte das als Kompliment. Denn mit Sicherheit haben Sie und Ihre Zunft mich auf braune Flecken untersucht. Fehlanzeige! Dabei hatten Sie genügend Untersuchungsmaterial: Etwa Hunderte von Blog-Einträgen, die ich in den letzten Jahren verfasst hatte. Die Internet-Adresse stand auf jedem meiner Wahlplakate. Vermutlich waren die Texte einfach zu schwere Kost. Und auch bei den Podiumsdiskussionen, über die die RP nur rudimentär und selektiv berichtet hatte, fand sich bei mir kein braunes Haar in der Suppe. Dumm gelaufen für Enthüllungsjournalisten.

 Ich kann mit meiner Farblosigkeit gut leben. Mit Rot oder gar Grün habe ich ohnehin nichts am Hut. Vor Jahrzehnten war ich politisch mal gelb, lange bevor diese Farbe zu Magenta mutierte. Diese Episode hatte ich der RP zwar im Interview mitgeteilt, selbige fand es indessen nicht erwähnenswert gegenüber ihrer Leserschaft. Blauäugig bin ich auch nicht, sonst wäre ich den Provokationen des einen oder anderen Moderators bei den Podiumsdiskussionen auf den Leim gegangen.    

 Dass Sie meine gestrige Presseerklärung nicht abgedruckt haben: Geschenkt. Aber dass Sie Ihren Lesern die Gesamtergebnisse des Wahlkreises Mettmann Nord, zu dem auch Ratingen gehört, vorenthalten: Das hätte ich nicht erwartet. Da muss der wissbegierige Zeitungsleser schon zur überregionalen FAZ greifen, um über die Mettmanner Ergebnisse informiert zu werden. Hier sind sie:

Quelle: FAZ

Gut, die FAZ spielt, was journalistische Qualität angeht, in einer anderen Liga. Aber die Veröffentlichung der Gesamtergebnisse des eigenen Wahlkreises hätte man von der Lokalredaktion der RP schon erwarten können. Lag es daran, dass die Zahlen für die AfD dort günstiger ausgefallen sind als bei der rein Ratinger Nabelschau?

 Wie dem auch sei, ich kann mir eine gewissen Schadenfreude nicht verkneifen. Dabei hatte sich doch Ihre Zentralredaktion auf den letzten Metern noch alle erdenkliche Mühe gegeben, um dem Wahlvolk politisch korrekte Denkweise einzutrichtern. Am Freitag wurde eine gehässige Karikatur veröffentlicht: Hitler goutiert in der Hölle das AfD-Programm. Und noch am Samstag forderte Eva Quadbeck im Leitkommentar: „Demokratisch wählen!“. Dieser Aufforderung ist Ihre Leserschaft zweifellos nachgekommen.  Aber nicht mit dem von  Ihnen erhofften Ergebnis.      

 Ihr Chefredakteur konstatiert heute resignierend: „Die Nazi-Keule ist wenig hilfreich“. Sollte sich hier ein Hoffnungsschimmer der Erkenntnis zaghaft über dem Horizont zeigen?

 Ich wünsche Ihnen einen guten Tag, mit freundlichen Grüßen

 Bernd Ulrich

Sprecher AfD Stadtverband Ratingen

Ich habe von der RP keine Antwort erwartet und auch keine erhalten. -Hier meine Pressemitteilung von Montag, dem 25.9., die von der RP nicht abgedruckt worden war:

Presseerklärung

 Ich danke als Direktkandidat und im Namen aller Parteimitglieder der AfD in Ratingen, Heiligenhaus, Velbert und Wülfrath unseren  Wählerinnen und Wählern für das entgegengebrachte Vertrauen und das hervorragende  Ergebnis bei den gestrigen Wahlen!  Nach den abgewirtschafteten ehemaligen Volksparteien CDU und SPD stellt die AfD nun die drittstärkste Kraft im Deutschen Bundestag!

 Der vom politischen Gegner und vielen Medien eingeübten Taktik der Ausgrenzung und Diffamierung blieb letztlich der Erfolg versagt. Viele Bürgerinnen und Bürger ließen sich nicht beirren und schenkten uns ihr Vertrauen und ihre Stimme.  Ich persönlich freue mich besonders, daß ich auch mit meinem Erststimmenergebnis den dritten Platz erobert habe. Über Elftausend Wählerinnen und Wähler in unserem Wahlkreis wollten mich direkt in den Bundestag entsenden.  Herzlichen Dank!

 Dank gilt auch den zahlreichen Helfern unseres Wahlkreises, die durch Spenden oder aktive Mitarbeit bei Informationsständen und beim Plakatieren zu diesem sehr erfreulichen Resultat beigetragen haben!

 Die von der lokalen Presse heute wiedergegeben Stimmen der  ortsansässigen Politiker etablierter Parteien  vom Wahlabend lassen leider die notwendige Distanz zum Wahlkampfgetöse und den eingeübten Ritualen vermissen.  Das und die kolportierten Einlassungen des Kreiswahlleiters  haben mich nachträglich in meinem Entschluss bestätigt, der Einladung ins Kreiswahlbüro nicht zu folgen und statt dessen den Wahlabend gemeinsam mit Freunden und Helfern zu verbringen.

 Ich gratuliere dem CDU-Kandidaten Dr. Peter Beyer zur erfolgreichen Verteidigung seines Direktmandates im Wahlkreis Mettmann II.

 Wir freuen uns über den Einzug der Alternative für Deutschland in den Deutschen Bundestag!  Wir sind zuversichtlich, mit kritischer Parlamentsarbeit auch aus der Opposition heraus einen wichtigen Einfluss zu nehmen auf die Gestaltung der Zukunftsfähigkeit unseres Landes.

Ratingen, 25.9.2017, Bernd Ulrich

 

 

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Mut zur Lücke!

Liebe Freunde;

  Fünf neue Landtagsabgeordnete aus dem Kreis Mettmann“, so titulierte die Rheinische Post vor einigen Tagen. Ein kleiner Schönheitsfehler: Tatsächlich sind es sechs. Herbert Strotebeck, frischgebackener Landtagsabgeordneter der AfD, wohnhaft in Erkrath und damit eindeutig ein Bürger aus dem Kreis Mettmann, fällt in der Reportage der RP einfach unter den Tisch. Sein Einzug in das NRW-Parlament wird von dem vierköpfigen  Reporterteam der RP mit keinem Sterbenswörtchen erwähnt:

http://www.rp-online.de/nrw/staedte/langenfeld/aus-me-im-landtag-fuenf-neulinge-berichten-aid-1.6861291

Nun fragt sich der geneigte Leser, der es besser weiß: Kann die RP zwar noch bis fünf, aber nicht mehr bis sechs zählen? Ist das etwa schon ein Kollateralschaden rot-grüner Bildungspolitik, daß Journalisten nicht über die Anzahl der Finger einer Hand hinaus addieren können? Oder war es schlichtweg Schludrigkeit? Dabei hatte uns doch Michael Bröcker, Chefredakteur des rheinländischen Provinzblattes direkt nach der Wahlnacht in seinem Leitkommentar am 15. Mai diesen Jahres versprochen: Bei der AfD werden wir im Landtag genau hinschauen.

Nun fragt man sich: Hat die Rheinische doch nicht so genau hingeschaut? Oder haben die Reporter ganz einfach „Mut zur Lücke“ bewiesen? Das wäre dann ein neues Indiz für die Zuschreibung „Lückenpresse“, eine Vokabel, die bei Betrachtern der deutschen Medienlandschaft zunehmend an Popularität gewinnt.  Schade eigentlich, hatte doch der Chefredakteur  noch kürzlich noch versprochen: Der beste Journalismus ist unparteiisch und unverdächtig:

Meine Meinung: Ich brauche gar nicht den besten Journalismus. Guter würde mir schon genügen.

 Herzliche Grüße, Euer

Bernd

Sarrazin in Hösel

An Regionalredaktion RP Ratingen

CC: Lesungsteilnehmer

 Betr.: Ihre Ausgabe am 9.Juni: Autorenlesung

 Sehr geehrter Herr Kleeberg,

 die Erwartungen an die journalistische Qualität waren nicht besonders hoch, als sich am Nachmittag des 7. Juni Ihr Kollege meldete, um bei der Autorenlesung mit Dr. Thilo Sarrazin im Haus Oberschlesien dabei sein zu dürfen. Klar, warum nicht? Wenn er Eintritt bezahlt wie jeder andere auch. Aber da fing das Quengeln schon an, er dürfe keine Karte kaufen. Man ließ ihn endlich aus Mitgefühl  herein, schließlich hatte sich der Arme extra auf den weiten Weg gemacht. Irgendwie muß er ja auch seine Brötchen verdienen. Obgleich er nicht den Eindruck vermittelte, als wenn er an Nahrungsmangel  leiden würde. Bekanntlich hat sich Thilo Sarrazin bei einer gewissen Klientel keine Freunde gemacht, als er  feststellte, dass Unterernährung das geringste Problem der Hartz-IV-Bezieher sei.

 Aber was dann abgeliefert wurde: naja. Es ist schon ein Glanzstück, eine ganze halbe Zeitungsseite über eine Bücherlesung zu schreiben, ohne den Titel des Werkes zu nennen. Von der Logik des Aufbaus und dem  Inhalt des Werkes,  über das Thilo Sarrazin ausführlich referierte, ist in dieser „Reportage“ nichts zu finden. Stattdessen das gewohnte obligatorische  AfD-Bashing und dann noch mal ein Tritt in Richtung Sarrazin. – Nicht auszuschließen, dass der entsandte Kollege den durchaus anspruchsvollen  Gedankengängen des Autors geistig gar nicht folgen konnte. – Gut möglich, dass er auf Randale innerhalb und außerhalb der Lesung gewartet hat, vielleicht auch, weil er über einen neuen Tortenwurf als erster exklusiv berichten wollte. Für Skandaljournalisten war der Ablauf des Abends sicher eine große Enttäuschung. Keine Schmierereien, keine eingeschlagenen Fensterscheiben, kein tobender Mob.

 Mag sein, dass sich Ihr Kollege schließlich  in Gesellschaft des gehobenen Höseler Publikums deplatziert vorkam: Jedenfalls wurde er beim Abschluss der Veranstaltung nicht mehr gesehen.  Schade eigentlich, denn das Schlusswort ging in Richtung Rheinische Post, deren Politredakteur Mayntz die Einladung zur Lesung  und Diskussion nicht beantwortet hatte.

 Mit freundlichen Grüßen

 Bernd Ulrich