Bemerkenswert

Rheinische Post: Mal wieder unterste Schublade

Liebe Freunde,

 unsere Rheinische Post: Langsam frage ich mich, warum ich mir dieses Lesemissvergnügen allmorgendlich immer wieder aufs neue antue. Aber man möchte ja  informiert sein, was den Bürgern hierzulande so serviert wird.

 Unser alter Bekannter  Michael Bröcker, seines Zeichens sogar Chefredakteur, produziert   im heutigen Leitkommentar mal wieder anrüchige Absonderungen. So erwähnt er  unsere Parteichefin, immerhin eine promovierte Naturwissenschaftlerin und vierfache Mutter, zusammen mit dem obszönen Schimpfwort „Bitch“  in einem Satz.  Bitch ist im Angelsächsischen eine üble Beleidigung und bedeutet so viel wie „Hure“. Auch schon vorher  stänkert der Herr Chefredakteur  gewaltig:

 „Die AfD ist ein Sammelsurium frustrierter Arbeitnehmer, enttäuschter Rentner, politik- und elitenverdrossener Bürgerlicher, aber eben  auch von völkischen Nationalisten und Rassisten“.

 Das ganze unter der Überschrift: „Maß und Mitte gesucht“. So was nenne ich Satire vom Feinsten.

 Nun ja, die RP feierte und beweihräucherte sich selbst vor einigen Tagen anlässlich ihres siebzigsten Geburtstages. Möglicherweise hat unser Michael Bröcker da zu tief ins Maß oder Glas geschaut und ist noch nicht wieder ganz bei Sinnen.  Hatte er doch in einer Sonderbeilage zum 1. Oktober noch wie folgt getönt:

 „Der beste Journalismus ist unparteiisch und unverdächtig. Aufklären, erklären, dabei bitte akkurat recherchieren, ausgewogen argumentieren. Fairness, keine Häme. Das ist unsere Haltung.“

journalismus

Schade, so schnell werden die guten Vorsätze über Bord geworfen.

 Natürlich bezeichnet der Chefredakteur unsere Frau Dr. Petry nicht direkt als „Bitch.“  Statt dessen relativiert er sinngemäß im nächsten Halbsatz: Wer das tut,  der handelt „kleinmütig.“

 Schon großmütig, unser Chefredakteur. Ich empfehle ihm, zur Erweiterung seines Horizontes mal einen Blick in sein eigenes Blättchen vom heutigen Tag  zu werfen.  Da steht auf Seite drei in großer Aufmachung: „Rudelbildung gegen Polizisten“.  Direkt daneben eine Spalte: „Südländer vergewaltigt 80-jährige“. Auf den nächsten Seiten: „Salafisten-Prozess“  und „Attacken gegen Badegäste: Behörden verbummeln Urteil“.

 Die Zeit ist reif für eine Alternative. Eben die Alternative für Deutschland.

Soweit mein Text. Ich konnte der Versuchung nicht widerstehen, den Herrn Chefredakteur mit in die Verteilerliste aufzunehmen. Und hat auf den Köder angebissen:

Sehr geehrter Herr Ulrich,

 vielen Dank für Ihre Mail, auf die ich sehr gerne schnell von unterwegs reagieren möchte. Sie haben mich leider etwas falsch verstanden, sicher nicht absichtlich. Ich habe ein Zitat einer Kölner Kabarettistin wiedergegeben, die Frau Petry „Bitch“ genannt hat. Ich mache mir dies eben nicht zu eigen. Wie Sie ja auch richtig schreiben, kritisiere ich eine solche Äußerung ausdrücklich genauso wie ich Übergriffe / Angriffe auf AfD-Abgeordnete und Funktionsträger kritisiere. Aber das haben Sie ja sicher auch im Kommentar gelesen.

 Dass die AfD ein „Sammelsurium frustrierter Arbeitnehmer, enttäuschter Rentner, politik- und elitenverdrossener Bürgerlicher, aber eben auch von völkischen Nationalisten und Rassisten“ ist, ist meine Meinung, die sich leider durch zahlreiche Äußerungen aus der AfD belegen lässt. Aber wie gesagt, wir wehren uns dagegen, die AfD pauschal zu verurteilen oder zu verunglimpfen. Wir weisen allerdings weiterhin in ruhigem und angemessenen Ton auf die – nach unserer Meinung – kritischen Äußerungen und Sichtweisen in Teilen der AfD hin.

 Beste Grüße

 Michael Bröcker

Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH Chefredakteur  Zülpicher Straße 10 – 40196 Düsseldorf

Das kann ich natürlich nicht auf mir sitzen lassen. Hier meine Replik:

Sehr geehrter Herr Bröcker,

   vielen Dank für Ihre prompte Antwort.

 Wenn jemand an Gespenster glaubt, dann wird er auch Gespenster sehen. Und je mehr Gespenster er sieht, desto heftiger wird geglaubt. Nennen Sie es Autosuggestion, virtuelle Realitäten, selektive Wahrnehmung, was auch immer. Ich frage mich des Öfteren, ob unsere Journalisten tatsächlich an das glauben, was sie da schreiben.  Falls ja, dann sind sie naiv, ansonsten einfach unaufrichtig.

 Im Übrigen passe ich exakt in Ihre Vorstellung vom typischen AfD-Anhänger:

 Frustrierter Arbeitnehmer, enttäuschter Rentner:

 Ich bin dankbar, daß ich mit Mathematik, Physik und BWL seinerzeit das richtige Universitätsstudium gewählt habe, um dann in der aufstrebenden IT-Branche eine Karriere zu starten. Mein langjähriger und letzter Arbeitgeber ist derzeit mit einem Börsenwert von über 100 Mrd. Euro das wertvollste Unternehmen dieses Landes. Ich brauche mir also um meine betriebliche Altersversorgung keine Gedanken zu machen.

 Politik- und Elitenverdrossener Bürgerlicher:     

 Zusammen mit dem zu früh verstorbenen Jürgen Möllemann habe vor Jahrzehnten Straßenwahlkampf in seiner Heimatstadt Münster gemacht. Bis zum Jahre 2009 war ich treuer FDP-Anhänger.  

 Rassist:  

 Als Personalvorgesetzter in einem international tätigen Softwarekonzern hatte ich Gelegenheit, neben deutschen Kollegen auch Mitarbeiter aus fremden Ländern einzustellen: Brasilien, Indonesien, China, Türkei, Libanon.  Zu manchen pflege ich bis heute ein freundschaftliches Verhältnis.  

 Beste Grüße    Bernd Ulrich

 Eine Antwort steht bis jetzt aus …. sollte ich sie erhalten, dann werde ich sie an dieser Stelle veröffentlichen.

 

Ratten und Rheinische Post

Volksschädling. Eine Vokabel, ein Schimpfwort aus Deutschlands dunkelster Epoche. Mitmenschen werden zu Schädlingen deklariert, gelten fortan als Ungeziefer wie Würmer, Flöhe, Wanzen, Läuse oder eben Ratten. Ratten: Diese Plagegeister gelten von jeher als besonders ekelerregend, abstoßend und gefährlich. Nicht von ungefähr bediente sich die Nazi-Propaganda mit dem Hetzfilm „Der ewige Jude“  genau dieser Bilder:

Ratten aus dem Nazi-Film „Der ewige Jude“

Dieser Film wurde 1940 gedreht und sollte die Bevölkerung einstimmen auf die bevorstehende Ausrottung der „Volksschädlinge“. Man sollte nun meinen, diese Zeiten seien längst überwunden. Mitnichten! Erst kürzlich vergriff sich ein deutsches Presseorgan, die „Rheinische Post“,  wieder ganz tief in der braunen Kiste:  Dieses Mal  wurden die AfD-Anhänger als Ratten dargestellt:  

RP-Ratte vom 29.1.2016 (Detail einer Zeichnung)

Solche Bilder sollen vor allem eins bewirken: Abstoßung, Furcht und Ekel. Diskussion? Überflüssig! Was macht man mit Ungeziefer? Richtig: Vergiften, totschlagen, ausmerzen.

Nun ist es, Gott sei es gedankt, noch nicht ganz so weit wie damals. Zwar sind AfD-Leute heutzutage allen möglichen Verunglimpfungen, Bedrohungen, Schikanen und Nachstellungen ausgesetzt. Ihre Autos werden abgefackelt, ihre Versammlungen gestört, die Häuser mit Farbe beschmiert und vereinzelt kommt es auch zu körperlichen Übergriffen.  Aber die Pogromstimmung hat noch nicht zu echten Pogromen mit Mord und Totschlag geführt. Noch nicht. Erstaunlich: Die Täter werden kaum zur Rechenschaft gezogen. Auch das erinnert an unselige Zeiten.

Nicht tot machen, aber mundtot machen, das ist das erklärte Ziel einer Medienlandschaft, die sich die AfD als Feindbild erkoren hat. Zum Abschuss freigegeben.  Nicht physisch, aber psychisch. Auch Verächtlichmachung, üble Nachrede, falsche Behauptungen, das alles gehört zum Repertoire. Viele machen mit. Die einen mehr, die anderen  weniger. Einige aus Überzeugung, andere für die Karriere,  die meisten wohl als bezahlte Schreiberlinge. Früher hieß es „Gesundes Volksempfinden“. Heute nennt sich das neudeutsch  „Mainstream“ ,  „Political Correctness“ oder schlichtweg „Kampf gegen rechts“. Die Hasstiraden pöbelnder Politiker gegen Andersdenkende mit Beschimpfungen wie Pack, Dödel, Abschaum oder Schande gießen zusätzlich Öl ins Feuer und stacheln den Mob weiter an.

Julia Rathcke von der Rheinischen Post. Von ihrem Boss, dem Herrn Chefredakteur Michael Bröcker, wurde sie auf die AfD angesetzt. Das gab er heute unumwunden zu. Wörtlich: „Deshalb habe ich vor mehr als einem Jahr eine junge Kollegin aus der Politikredaktion gebeten, sich der Partei zu nähern und zu berichten. Julia Rathcke tut dies seither.“  Und die „junge Kollegin“ hat geliefert. Die vorerst letzte Schnüffelstory erschien in der heutigen Ausgabe. Nicht ganz erfolgreich. Denn ein Interview mit der vormaligen Ehefrau des NRW-Sprechers kam nicht zustande. Und Frauke Petry habe „höhnisch gelacht“.  Die Yellow-Press lässt grüßen. Auch sonst interessierte sich die „junge Kollegin“ für die sexuelle Orientierung des AfD-Spitzenpersonals. So titelte sie kürzlich über Alice Weidel in einer RP-Schlagzeile: „Lesbisch“.

Homosexualität. Das war auch bei den Nazis ein beliebtes Thema zur Ausschaltung unliebsamer Konkurrenz.

Lassen wir es dabei bewenden.

Hier die Antwort der Rheinischen Post:

Von: Rathcke, Julia [mailto:Julia.Rathcke@rheinische-post.de] Gesendet: Samstag, 6. Mai 2017 10:33 An: Bernd Ulrich Betreff: Re: Ratten und  Rheinischen Post

Sehr geehrter Herr Ulrich,

in Sachen Nationalsozialismus haben Sie ja augenscheinlich einiges nachzuholen. Traurig, dass das immer noch so eine Bildungslücke zu sein scheint, gerade in der Generation, die es doch so viel besser wissen müsste. – Aber wie sagten Sie so schön:Jeder blamiert sich, wie er kann.

Schönes Wochenende   Rathcke Von meinem iPhone gesendet

Meine Replik, auf die ich bis heute(!) keine Antwort erhalten habe:

Sehr geehrte Frau Rathcke,

   haben Sie herzlichen Dank für Ihre Zeilen. Ein gutes Zeichen, daß Sie meinen Text zu Ende gelesen haben. Der Herr Chefredakteur (gewissenhaft, engagiert, akkurat) hat sich übrigens noch nicht gemeldet, obwohl er bei früherer Gelegenheit schon des Öfteren persönlich geantwortet hat.

 Meine Generation: Wenn Sie damit andeuten, daß ich noch ein Zeitzeuge der NS-Diktatur wäre, so muß ich Sie leider korrigieren: So alt bin ich nun wiederum auch nicht.  Es wäre übrigens durchaus interessant in einem persönlichen Gespräch herauszufinden, wer von uns beiden die profunderen Kenntnisse in Sachen europäischer Geschichte und insbesondere der Epoche von Faschismus und Nationalsozialismus hat.  Trotz meines fortgeschrittenen Alters halte ich mich durchaus noch für neugierig und lernfähig.  – Sie hatten mir bei Ihrer vorletzten Mail (Causa Reichsbürger) ein persönliches Gespräch in Aussicht gestellt. Meine Kontaktdaten  haben Sie ja. Ich bin gespannt.

 Da ich im Urlaub die RP immer erst mit einem Tag Verspätung erhalte, hatte ich die hübsche Auswahl der acht (!) Pretzell-Porträts, mit denen die Print-Ausgabe Ihres „Annäherungsversuches“  garniert war,  noch nicht zur Hand, als ich meine Zeilen niederschrieb. Bemerkenswert, ein derartiger Verriss eines  Parteichefs so kurz vor der NRW-Wahl. Ein Schelm, der böses dabei denkt.  Was ich in Ihrem Artikel vermisst habe: Die Information, daß besagtes Objekt Ihres Annäherungsversuches so ganz nebenbei  Abgeordneter im Europaparlament ist. Was macht er da, welches Arbeitspensum, welche Ausschüsse?  Schade um diese vorenthaltene Aufklärung; statt dessen wird der politisch Interessierte Leser damit abgespeist, was alles nicht in Erfahrung gebracht wurde: Vergangenes Eheleben, Alte Herren usw.  

 Apropos Reichsbürger: Was ist eigentlich daraus geworden? Ich habe gehört, daß es jetzt eine juristische Auseinandersetzung mit der RP geben soll. Schade, daß man auch darüber nichts aus Ihrem Blatt erfährt.

 Ich habe meinen Text inzwischen veröffentlicht. Googeln sie einfach nach der Kombination von „Rheinischer Post“ und „Ratten“. Dann erscheint der Beitrag auf der ersten Seite der Suchergebnisse. Über eine Like von Ihnen bei Facebook würde ich mich freuen.

 Ich wünsche Ihnen einen schöne Arbeitswoche, herzliche Grüße

 Bernd Ulrich

 

Anmerkung: Auch passend → Thema

Braune Brühe in der Rheinischen Post

Liebe Freunde,

   die CDU-affine Rheinische Post befindet sich schon seit einiger Zeit mit Vollgas im Wahlkampfmodus. Und trotzdem hat sie jüngst noch an Tempo zugelegt. Wie das? Ganz einfach, man fährt abwärts auf der schiefen Bahn. Und wie es mit dem einstigen Qualitätsblatt bergab geht, das offenbarte ein gewisser Maximilian Plück am 4. April auf Seite 2. Da greift er nämlich kräftig in die braune Soße und rührt darin herum. Unterstellt er doch der AfD, daß sie sich nicht klar genug vom „braunen Gedankengut distanziere“.

Wer ist hier „braun“?

 http://www.rp-online.de/politik/anti-afd-rezept-fehlt-aid-1.6733001

Meine Frage an Maximilian Plück: „Wo bitteschön, finden Sie braunes Gedankengut im Parteiprogramm der Alternative für Deutschland? Haben Sie Textpassagen gefunden, die aus Hitlers „Mein Kampf“ abgeschrieben wurden oder den Schriften des NS-Ideologen Alfred Rosenberg entnommen wurden?  Oder wurde aus Goebbels‘  Reden abgekupfert? Predigt etwa die AfD von einer Überlegenheit der nordischen Rasse? Fordert sie zu Pogromen gegen jüdische Mitbürger auf? Oder propagiert sie einen neuen Krieg zur Eroberung neuer Lebensräume? Woher haben sie die Vorstellung vom braunen Gedankengut? Bringen Sie bitte  Beweise für Ihre Unterstellung!“

 Der „gebürtige Münsterländer“ (so die eigene Personenbeschreibung) betätigt sich indessen als heftiger Wadenbeißer. Empfiehlt er doch allen Ernstes den deutschen Gewerkschaften, AfD-Anhänger aus ihren Reihen auszuschließen. Dabei beruft er sich auf deutsche Geschichte. Aber da hat er etwas gründlich missverstanden. Denn der  Ausschluss von Mitbürgern am öffentlichen Leben wegen Herkunft oder Gesinnung  wurde damals von Nazis propagiert und durchgesetzt. Offenbar nimmt sich Herr Plück diese Machenschaften zum Vorbild.  

 Nun könnte man solche Entgleisungen als Jugendstreich eines Jungreporters abtun, der von der Chefredaktion mit einem Augenzwinkern durchgewunken wurde. Aber so harmlos ist es nicht. Denn  durch solche Hassbotschaften werden unbedarfte Mitläufer dazu ermuntert, gewaltsam gegen AfD-Anhänger vorzugehen. Bereits jetzt ist die AfD massiven Attacken ausgesetzt: Ihre Plakate werden zerstört, Ihre Häuser und Büros beschmiert, Ihre Gastgeber bedroht und ihre Autos angezündet. Von der Gewalt gegen Sachen ist es nur ein kleiner Schritt zur Gewalt gegen Personen. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann es die ersten Verletzten, schlimmstenfalls sogar Tote geben wird. Und dann hätte der Herr Plück nicht nur seine Sudeltinte, sondern richtiges Blut an den Händen. In der Juristerei nennt man so etwas „Mittelbare Täterschaft“.

 Mit freundlichen Grüßen

 Bernd Ulrich

 

Thema: Wahlbeteiligung – hier Briefwahl

Um meiner Pflicht als Demokrat nachzukommen, will ich am 14. Mai 2017 bei der Landtagswahl in NRW wählen. Da ich meinen Urlaub am 20.4. antrete und am 14.5. (23.00 Uhr) erst zurückkomme, habe ich die Briefwahl beantragt. Das zuständige Wahlamt der Stadt Meerbusch teilte mir mit, dass die Stimmzettel voraussichtlich erst ab dem 24.4. vorliegen. Gerne würde man mir die Unterlagen an meine Urlaubsanschrift nachsenden. Mein Urlaub führt mich nach Teneriffa – und meine bisherige regelmäßige Erfahrung mit Post auf diese Insel zeigt mir, dass diese auch mal länger als drei Wochen unterwegs sein kann. Da ist es also äußerst zweifelhaft, ob ich die Unterlagen bekomme und sie dann auch pünktlich zum 14.5. Meerbusch erreichen. Müßte es nicht möglich sein, mindestens vier Wochen vor der Wahl die Briefunterlagen zuzusenden? Der praktizierte Zeitraum von drei Wochen ist doch unrealistisch und lebensfremd. Wenn man die Wähler so behandelt, muss man sich über die geringe Wahlbeteiligung nicht wundern. Schade, dass ich durch die zu kurze Frist evtl. zum Nichtwähler werde. 😦 Schade für mich, so könnte es sein, dass ich trotz bestem Willen zu den Nichtwählern werden könnte.

Von Reichsbürgern und Giraffen

Liebe Freunde,

 kennt Ihr den?  Steht ein Mann in Düsseldorf mitten auf einer Kreuzung, schreit und fuchtelt wild mit den Armen. Nach einer Weile fragt ihn ein besorgter Passant: „Was machen Sie denn da?“ Antwort: „Ich vertreibe Giraffen.“ Darauf der verdutze Fragesteller: „Aber hier sind doch keine Giraffen!“ Da erwidert der Fuchtler: „ Ja eben, ich mache einen guten Job!“

 An dieses  Beispiel aus Dobellis Bestseller „Die Kunst des klaren Denkens“ fühlte ich mich erinnert, als mir vorgestern die auf der Titelseite der Rheinischen Post die alarmierende Nachricht ins Auge sprang:  Reichsbürger will in den Bundestag! Ein 57-jähriger AfD-Funktionär aus Gütersloh!

Rheinische Post vom 29. März 2017 (Klick zum Vergrößern)

 Na sowas! Reichsbürger sind  eine Handvoll  verpeilter Zeitgenossen, welche die Staatlichkeit der Bundesrepublik nicht anerkennen und sich als Angehörige des Deutschen Reiches von 1939 fühlen. Und folgerichtig die Zahlung von Steuern verweigern und sich Phantasieausweise ausstellen. Damit kommen diese Leute ständig mit den Gesetzen unseres Landes in Konflikt.  Reichsbürger wird man schlichtweg dadurch, daß man sich selbst persönlich zu diesem spleenigen Gedankengut bekennt.  Und so was will ausgerechnet in den Bundestag? Mit der AfD?

Eigentlich sollte es die Rheinische Post besser wissen. Sie war schließlich bei allen Wahlparteitagen der AfD in NRW mit eigenen Berichterstattern vertreten. Somit sollte es der Redaktion geläufig sein, daß jeder Kandidat der AfD nicht nur ein taufrisches polizeiliches Führungszeugnis und eine Schufa-Auskunft beibringen muß, sondern auch eine vom Finanzamt ausgestellte Unbedenklichkeitsbescheinigung derart,  daß keinerlei Steuerrückstände bestehen.  Einem  „Reichsbürger“  dürfte es ziemlich schwerfallen, diese amtlichen Persilscheine zu erhalten.  Aber was schreibt die Rheinische Post: „Er gilt als Reichsbürger, was er verneint“. Ein kompletter Widerspruch in sich. Denn „Reichsbürger“ ist nur der, der sich zu diesem Gedankengut bekennt.

Die Rheinische Post versucht Giraffen dort zu vertreiben, wo weit und breit keine sind.  Und gerät damit in Konflikt mit einschlägigen Paragraphen des Strafgesetzbuches. Das lautet es wie folgt:

§ 187Verleumdung

Wer wider besseres Wissen in Beziehung auf einen anderen eine unwahre Tatsache behauptet oder verbreitet, welche denselben verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen oder dessen Kredit zu gefährden geeignet ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe und, wenn die Tat öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) begangen ist, mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Ob das unsere RP-Redakteure Julia Rathcke und Thomas Reisner, die diese reißerische Diffamierung zu verantworten haben, zu Ende gedacht haben? Denn zwischenzeitlich scheint die Rheinische Post kalte Füße bekommen zu haben. Der inkriminierte Artikel wurde inzwischen aus dem Online-Angebot entfernt. Erstaunlich ohnehin, daß diese  Titelblattstory von Journalisten aus der zweiten und dritten Garnitur verantwortet wurde. Die jugendliche Julia Rathcke ist noch Volontärin. Thomas Reisner taucht nicht einmal im Autorenverzeichnis der RP auf: http://www.rp-online.de/autor/ Die üblichen alten Hasen der Polit-Redaktion wie Mayntz, Schröder, Hüwel oder Quadbeck wollten sich an diesem heißen Eisen offensichtlich nicht die Finger verbrennen.

Der geneigte Leser fragt sich: Was soll das ganze? Ganz einfach: Die RP befindet sich im Wahlkampfmodus. Wenn jemand behauptet, daß dieses Blatt CDU-affin ist: Damit  hat er genau ins Schwarze getroffen. Fairness? Fehlanzeige!   Und schon sammeln  sich die üblichen Verdächtigen um diesen dargebotenen Topf und versuchen darin  ihr Süppchen zu kochen. Bereits am Tag darauf gibt es in der RP die genüssliche Fortsetzung:

NRW-Politiker gegen „Reichsbürger“ auf AfD-Bundesliste   Düsseldorf.  Politiker aus NRW sind entsetzt über den „Reichsbürger“, der für die AfD in den Bundestag will. „Wenn eine Partei solche Personen auf ihrer Landesliste für den Deutschen Bundestag und dann auch noch auf den vorderen Plätzen duldet, dann ist das keine Alternative, sondern eine Schande für Deutschland“, sagte SPD-Generalsekretär André Stinka. CDU-Generalsekretär Bodo Löttgen erklärte: „Sollten sich die Vorwürfe gegen den AfD-Funktionär bestätigen, wäre das ein weiterer Beleg für die Radikalisierung der NRW-AfD.“ Ähnlich äußerte sich Verena Schäffer, innenpolitische Sprecherin der Grünen Landtagsfraktion. Die Ideologie der „Reichsbürger“ sei im Kern rechtsextremistisch. Özlem Demirel, Sprecherin der NRW-Linken: „Die AfD festigt damit ihre Verbindungen zu extrem Rechten weiter.“  

Man achte darauf, daß diese gewieften Politprofis im Konditionalsatz oder Konjunktiv  sprechen: „Wenn das so ist …. dannSollten sich die Vorwürfe bestätigen… dann“.  Damit werden juristische Fallstricke geschickt umgangen.

Das ganze wird sich als das auflösen, was es ist: Heiße Luft.  Aber wie wussten schon die alten Römer: Es bleibt immer etwas hängen. Und genau das ist der Zweck.

Mich wundert nur eins: Daß solche Journalisten sich immer noch über die Zuschreibung „Lügenpresse“ mokieren.

Dieser Leserbrief wurde nicht veröffentlicht. Aber ich erhielt am nächsten Tag postwendend eine Nachricht von der Redakteurin:

Von: Rathcke, Julia Betreff: AW: Von Reichsbürgern und Giraffen

Sehr geehrter Herr Ulrich,

vielen Dank für Ihren Leserbrief an uns. Zwei kurze Anmerkungen meinerseits dazu: Ich bin jung, aber mit knapp 30 Jahren wohl doch nicht mehr jugendlich und Volontärin auch längst nicht mehr, sondern Politikredakteurin. Zudem ist es nie die Entscheidung eines einzelnen Redakteurs/einer einzelnen Redakteurin, womit wir die Zeitung aufmachen. Was auf der Titelseite steht – und nicht nur das – geschieht immer auch in Absprache mit der Chefredaktion.

Alles weitere gerne bei Zeiten im persönlichen Gespräch.

Ein schönes Wochenende wünscht, Julia Rathcke

Ich antwortete am 2.April wie folgt:

Sehr geehrte Frau Rathke,

 haben Sie herzlichen Dank für Ihre persönliche Rückmeldung. Ihr Angebot für ein persönliches Gespräch nehme ich gerne an. Bestimmen Sie einfach Datum, Zeit und Ort. Da ich mein berufliches Dasein schon hinter mich gebracht habe, bin ich zeitlich flexibel.  

 Sehen Sie es mir bitte nach, wenn ich Sie unzutreffend als „Volontärin“ eingeordnet habe. Bei Eingabe Ihres Namens in Google erscheint auf Platz eines diese Seite: http://www.journalistenschule-ifp.de/menschen/julia-rathcke. Und da werden Sie tatsächlich als Volontärin geführt; auch das Porträt ist zweifellos „jugendlich“.

 Mir ist bewusst, daß die Aufmachung der Zeitung, insbesondere die Titelseite,  durch die Chefredaktion abgesegnet werden muß. Das exkulpiert Sie in gewisser Weise, wirft indessen ein umso schlechteres Bild auf Ihr Haus. Dabei äußerte sich  Michael Bröcker  in der Ausgabe vom 1.10.2016 anlässlich des siebzigsten  Geburtstags der Rheinischen Post noch wie folgt:  „Der beste Journalismus ist unparteiisch und unverdächtig. Aufklären, erklären, dabei bitte akkurat recherchieren, ausgewogen argumentieren. Fairness, keine Häme. Das ist unsere Haltung.“

Ich denke, hier erübrigt sich jeder weitere Kommentar.

 Ich freue mich auf Gespräch und  wünsche Ihnen einen guten Start in die Woche!

 Mit freundlichen Grüßen  Bernd Ulrich

Bis jetzt habe ich keinen Anruf erhalten.

Das Wunschdenken des Dr. Detlev Hüwel

Dr. Hüwel hat Visionen. Auch heute wieder. „Die AfD zerlegt sich selbst“, so kommentiert er heute in der Rheinischen Post. Und folgt damit genau dem Tenor, den er schon vor Wochen angeschlagen hatte. „Abwärts mit der AfD“, so artikulierte er bereits am 30. Oktober sein Wunschdenken und blieb damit seiner Linie treu. Und weiter im Text: „Wie es aussieht, hat die AfD in NRW den Zenit ihrer Popularität überschritten. Kein Wunder, denn inzwischen hat sich die lange Zeit aufgeheizte Debatte über den Zuzug von Asylbewerbern versachlicht. Das ist nicht mehr das Klima, in dem dumpfe Parolen gedeihen. Man kann nur hoffen, dass dieser „Klimawandel“ anhält, denn nötig sind nicht krude Parolen, sondern politische Entscheidungen mit Herz und Verstand“.zerlegung

 Schon Helmut Schmidt wusste: Wer Visionen hat, der soll zum Arzt gehen. Auch bei Dr. Hüwel liegt der Verdacht einer gestörten Wahrnehmung nahe. Denn sein heutiger Bericht über den Ablauf des Delegiertenparteitages vom Wochenende strotze so vor Fehlern, daß sich jemand, der persönlich dabei war, zu folgender Richtigstellung bemüßigt fühlte:

Sehr geehrter Herr Hüwel,

in Ihrem Artikel „AfD-Chef ohne Mehrheit in der Partei“ stellen Sie mehrere Behauptungen auf, welche leider falsch sind.

  1. Sie behaupten, „Mehrheit in der NRW-AfD steht nicht zur Parteiliste“. Dies ist falsch. Jeder Listenkandidat wurde mit min. 50% der Stimmen der NRW-Delegierten auf die Liste gewählt.
  2. Sie behaupten, eine Mehrheit der Delegierten habe in Rheda-Wiedenbrück dafür gestimmt, die „Parteiliste zu verwerfen und von vorne zu beginnen“. Dies ist falsch. Bei der von Ihnen angesprochenen Abstimmung ging es darum, die Tagesordnung zu erweitern (dafür wäre eine 2/3 Mehrheit notwendig gewesen). Erst mit der dann erweiterten Tagesordnung hätte überhaupt nach Aussprache über den Neuanfang der Liste abgestimmt werden können.
  3. Sie behaupten, „der Streit führte dazu, dass in Rheda-Wiedenbrück nur ein einziger Listenplatz besetzt werden konnte“. Dies ist falsch. Es wurden in Rheda-Wiedenbrück vier Plätze besetzt.
  4. Sie behaupten, Marcus Pretzell sei Vorsitzender in NRW seit 2013. Dies ist falsch. Er ist Vorsitzender seit Mitte 2014.  – Ich würde mich  freuen, wenn Sie die angesprochenen Punkte (insbesondere die ersten beiden Punkte) in der nächsten Ausgabe korrigieren.

Schauen wir mal, was uns die Druckerschwärze der RP morgen wieder präsentiert.

 

GroKo im Endspurt: Unter Geiern

Liebe Freunde,

 diese hübsche Karikatur aus der Rheinischen Post (!) des heutigen Tages möchte ich Euch nicht vorenthalten. Beim Anblick der blindlings umherirrenden Wünschelrutengänger  fühlte ich mich an Sarrazins jüngstes Werk „Wunschdenken“ erinnert.  Solcherlei  führt zumeist in die Irre. – Der kleine Lederhosenträger mit Hut und Gamsbart, der an Mutti zerrt, ist wohl der Seehofers Horst.

Rheinische Post vom 24. November 2016
Rheinische Post vom 24. November 2016

 

Umfragemanipulation: Die Grünen und ihre Kohle

unsere Grünen treiben es mal wieder bunt. Nein, diesmal nicht in den Farben des Regenbogens als Fahnenträger von LSBTTI.  Es geht ganz einfach um Kohle. Die Kohle.  Schwarze Kohle und Braunkohle, der unsere Grünen so gar nicht grün sein wollen.

Die schon etwas angegraute Dagegen- und Protestpartei hat ein grundsätzliches Problem: Nach Atomausstieg, Gentechnik, Dosenpfand usw. gehen  den grünen Bevormundern  allmählich die Themen aus. Zumal die noch in den Parlamenten verbliebenen Schwarz-Roten  heftig versuchen, jede  grüne Gedankenzuckung im vorauseilenden Gehorsam  zu antizipieren und für sich zu deklarieren. Da muß schon sehr laut ins Horn getutet werden um noch Aufmerksamkeit zu erzeugen.  Und so wird in schöner Regelmäßigkeit unter lautem Geschrei immer wieder eine neue Sau durchs Dorf getrieben.  Und jetzt ist  die Kohle dran. Genau der Energieträger, der unabhängig von Wind und Wetter dafür sorgt, daß der Strom immer noch zuverlässig aus der Steckdose kommt.

Was immer wieder erstaunt, ist daß sich auch seriös daherkommende Tageszeitungen wie etwa unsere Rheinische Post stets erneut vor den Propagandakarren der Ökoideologen spannen lassen. So las ich unlängst in dicken fetten Lettern als Schlagzeile:

71% Prozent der Bürger fordern raschen Braunkohleausstieg

Als Quelle muß eine Forsa-Umfrage herhalten, die vom grünen NRW-Minister Remmel mit viel Rummel  lauthals in einer Pressekonferenz unters Volk gebracht wurde. Einem auserwählten Kreis von Journalisten wird diese freudige Nachricht schon vorab verabreicht. Wichtig, damit sich diese erlauchte Runde auch besonders wichtig vorkommt . Aus dem Text:

Düsseldorf. Umweltminister Remmel wird heute eine Umfrage vorstellen, die RWE und Bayer nicht gefallen wird: 71 Prozent der Bürger fordern demnach ein rasches Ende der Braunkohle. Von Antje Höning

In Nordrhein-Westfalen wächst der Widerstand gegen Abbau und Verstromung von Braunkohle. 71 Prozent der Bürger fordern einen schnellen Ausstieg aus der Braunkohle: Für 36 Prozent ist dies „sehr wichtig“, für 35 Prozent „wichtig“. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Forsa-Umfrage, die Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) heute vorstellen wird und die unserer Redaktion vorliegt.

Quelle: http://www.rp-online.de/wirtschaft/umfrage-71-prozent-der-buerger-fordern-raschen-braunkohle-ausstieg-aid-1.6285165

Merkwürdig. Schon wieder Forsa. Das ist doch genau das Gegenteil dessen, was die vor einem Jahr herausgefunden haben wollen. Zitat:

Braunkohle ist unverzichtbar als Stabilisator für die Energieversorgung und wichtiger Wirtschaftsfaktor. Das geht aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa hervor. Die Studie wurde heute vom Forsa-Chef Manfred Güllner bei der Jahrespressekonferenz der RWE Power … vorgestellt.

 Zwei Drittel aller Bundesbürger sind überzeugt, dass die Strompreise auf die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie einen großen Einfluss haben. 63 Prozent halten es deshalb für falsch, dass nach den Kernkraftwerken auch die Kohlekraftwerke abgeschaltet werden sollen. Dadurch sehen sie die Sicherheit und Zuverlässigkeit der Energieversorgung in Deutschland gefährdet.

 „Eine große Mehrheit von 75 Prozent der Deutschen ist sich darüber im Klaren, dass neben Sonne und Wind weiterhin die herkömmlichen Energiequellen zur Stromerzeugung genutzt werden müssen. Die Braunkohle ist eine davon“.

Quelle: http://www.rwe.com/web/cms/de/2843306/rwe/presse-news/braunkohle-ist-unverzichtbar/

„Ich glaube nur der Statistik, die ich selber gefälscht habe.“ Uralt und von Winston Churchill.   Aber wie lässt sich diese Kehrtwende der Wendehälse erklären? Wessen Brot ich eß, dessen Lied ich sing? Hier als Auftraggeber die Grünen und vorher die Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätserzeuger? Wie bewerkstelligt man eine solche Kopfwende?

Eine Erklärung hat der bekannte Dortmunder Professor für Statistik und renommierte Buchautor Walter Krämer parat. In einer jüngst veröffentlichten Unstatistik des Monats erläutert er an einem ähnlichen Beispiel:

Wie man in den Wald hineinruft … Unstatistik vom 28.09.2016

Mit der richtigen Fragestellung zum Wunschergebnis: ..53 Prozent aller Bundesbürger meinen, Deutschland sollte viel mehr tun, um auch weiter Vorreiter im Klimaschutz zu sein. Und für das „schnellstmögliche“ oder „so bald wie mögliche“ Abschalten aller Kohlekraftwerke plädieren 67% der Befragten. So ein Ergebnis des britischen Meinungsforschungsinstitutes YouGov..,

Dieses Mal liegt der Missstand nicht in der Interpretation, sondern in der Art der Fragestellung. Die Antworten waren in die Fragen quasi eingebaut. Die Frage zum Klimaschutz lautete: „Beim Klimagipfel in Paris wurde 2015 ein internationales Abkommen für den Klimaschutz beschlossen. Anfang des Monats September haben die USA und China dieses Abkommen ratifiziert. Deutschland hat den Prozess noch nicht abgeschlossen und einen schwachen Klimaschutzplan für 2050 vorgelegt. Sollte Deutschland Ihrer Meinung nach mehr tun, um Vorreiter im Klimaschutz zu bleiben?“. Die Frage zu den Kohlekraftwerken lautete: „Die Stromproduktion aus Kohle allein ist die größte Einzelquelle für die deutschen Treibhausgasemissionen. Was sollte Ihrer Meinung nach mit den Kohlekraftwerken passieren?“ Derart suggestive Fragen lenken die Antworten systematisch in eine vorbestimmte Richtung. Bei neutraler Fragestellung wäre das Ergebnis wahrscheinlich anders ausgefallen. ..

In der Umfrageforschung unterscheidet man zwischen ergebnisorientierter und erkenntnisorientierter Demoskopie. ..Was immer man von Kohlekraftwerken hält, die Meinung der Öffentlichkeit dazu sollte man neutral erfassen statt zu versuchen, diese systematisch in eine bestimmte Richtung zu beeinflussen.

Hier der volle Text: http://www.rwi-essen.de/unstatistik/59/

Schauen wir uns die Remmelsche Umfrage noch einmal an: Die Frage nach dem Ausstieg der Braunkohleförderung war eine von vier vorgegebenen Möglichkeiten. Tatsächlich erreichten die drei übrigen Alternativen sogar eine höhere Zustimmung in der Wertung „sehr wichtig“ bzw. „weniger wichtig“:forsaDie Forsa-Umfrage war bereits im Juni erstellt worden. Präsentiert wurde sie von den NRW-Grünen erst im September, nach Ende der Urlaubzeit. https://www.nachhaltigkeit.nrw.de/fileadmin/download/forsa-bericht_umfrage__nachhaltigkeit_2016.pdf

Herrn Güllner von Forsa war der ganze Remmelsche Rummel dann doch peinlich. Und  so kam das Dementi. Zitat:

In der Untersuchung sei nach der Bedeutung der „Nachhaltigkeit“ und nicht danach gefragt worden, ob man einen Braunkohle-Ausstieg fordere, stellt Manfred Güllner klar: Weder fordert eine Mehrheit der Bürger in Nordrhein-Westfalen den raschen Ausstieg aus der Braunkohle, noch wächst der ,Widerstand gegen Abbau und Verstromung von Braunkohle’”.

Von der Richtigstellung unbeeindruckt, präsentieren die Rheinische Post und der WDR ihre eigenen Versionen: Überschrift Rheinische Post (RP): “Mehrheit fordert raschen Braunkohle-Ausstieg”

Der Artikel der Rheinischen Post sei “ein weiteres unrühmliches Beispiel dafür, wie Befindlichkeiten von Menschen trotz vorliegender Informationen völlig verzerrt dargestellt werden”, sagt Güllner.

Aus: http://ruhrkultour.de/braunkohle-ergebnisse-der-forsa-umfrage-ueber-nachhaltigkeit-in-nordrhein-westfalen-verzerrt/

Dieses Dementi wurde von der RP nicht mehr veröffentlicht.

Lückenpresse, Lügenpresse, oder was?  Das mag jeder für sich entscheiden.